Im ersten Teil des Hyper-V-Artikels [1] habe ich bereits die neuen Features Shared VHDX, Neue Generation der VM, Storage QoS sowie der Erweiterte Sitzungsmodus vorgestellt. In diesem Teil des Artikels behandel ich weitere Neuheiten Copy/Paste, Automatic VM Activation, VHDX - Größe anpassen, Live Migration, Hyper-V Replica, Linux Inside und den Export.

Copy/Paste

Das allseits beliebte Copy and Paste (CTRL + V) war bisher nur eingeschränkt nutzbar. Dies hat sich nun geändert. Um Dateien und Ordner während des Betriebes und ohne Netzwerkverbindung zwischen Gast und Host kopieren zu können, müssen lediglich die Gastdienste auf der Seite Integrationsdienste ausgewählt werden und das Hyper-V Guest Service Interface im Gastbetriebssystem laufen. Dies funktioniert jedoch nur, wenn das Gastsystem Windows Server 2012 R2 oder Windows 8.1 ist.

Copy Paste

Die Copy/Paste-Funktion kann auch mittels Powershell durchgeführt werden:

Copy-VMFile “VM Name“ –SourcePath Pfad eingeben –DestinationPath Pfad eingeben –FileSource Host

Automatic VM Activation (AVMA)

Dieses Feature ist besonders im Bereich Lizensierung von VMs interessant. Bisher wurden bei der Installation von Windows Server in der Datacenter Edition alle virtuellen Server mitlizensiert, an der Eingabe von Produktkeys oder der Bereitstellung eines KMS Servers kam man jedoch nicht vorbei.

Mit der Automatic Virtual Machine Activation werden virtuelle Maschinen aktiviert ohne Produktkeys für jede Maschine individuell eintragen zu müssen. Dafür wird lediglich eine lizensierte Windows Server 2012 R2 Datacenter Version als Hyper-V Host benötigt. AVMA kann nur für VMs genutzt werden, die eines der folgenden Betriebssysteme enthalten:

  • Windows Server 2012 R2 Datacenter
  • Windows Server 2012 R2 Standard
  • Windows Server 2012 R2 Essential

Es muss keine KMS Infrastruktur bereitgestellt oder Keys eingetragen werden. Das lästige Aktivieren fällt somit weg. Die VMs benötigen keine Verbindung zum Internet oder zum Netzwerk.

Und so funktioniert’s:

Stellen Sie eine lizensierte Windows Server 2012 R2 Datacenter Version als Hyper-V Host zur Verfügung. Installieren Sie den AVMA Key in der VM. Geben Sie hierfür den folgenden Befehl in die Kommandozeile der zu aktivierenden VM ein.

slmgr.vbs /ipk <AVMA Key>

Windows Server 2012 R2 Edition AVMA Key
Datacenter Y4TGP-NPTV9-HTC2H-7MGQ3-DV4TW
Standard DBGBW-NPF86-BJVTX-K3WKJ-MTB6V
Essentials K2XGM-NMBT3-2R6Q8-WF2FK-P36R2

Siehe auch unter [2].

VHDX - Größe anpassen

Bereits mit Windows 2012 wurde das VHDX-Format eingeführt, welches virtuellen Laufwerken eine Größe von bis zu 64TB erlaubt. Während des laufenden Betriebs einer VM konnte diese Größe bisher jedoch nicht angepasst werden. Für VMs der zweiten Generation lassen sich VHDX nun im laufenden Betrieb verkleinern und vergrößern, für VMs der ersten Generation ist dies nur eingeschränkt möglich. Lediglich zusätzliche Festplatten, die mit dem SCSI Controller verbunden sind, können in der ersten Generation in der Größe angepasst werden. Verkleinert werden kann eine Festplatte allerdings nur wenn sie einen unpartitionierten Bereich enthält.

Und so funktioniert’s:

1. Begeben Sie sich in die Einstellungen der VM.

2. Unter SCSI-Controller wählen Sie die gewünschte Festplatte aus.

3. Klicken Sie auf Bearbeiten

4. Wählen Sie die gewünschte Aktion Komprimieren oder Erweitern aus.

 VHDX anpassen

Live Migration

Bei der Live Migration können VMs während des Betriebs umgezogen werden. Mittels Kompression und SMB Direct/RDMA soll dies nun deutlich schneller geschehen.

Kompression: Die benötigte Zeit für Datentransfers soll sich hierbei um ca. die Hälfte verringern. Dies wird durch Komprimierung der Übertragungsmenge erreicht.

SMB Direct/RDMA: Lässt einen Transfer von 16 GByte pro Sekunde zu, indem der Datentransfer auf die RDMA-Hardware ausgelagert wird. Zudem können mehrere Verbindungen genutzt werden, die zwischen den Hosts bestehen. SMB Direct setzt Netzwerkadapter auf beiden Seiten voraus, die RDMA unterstützen.

Best Practice: Microsoft schlägt vor, die Kompression bei VMs von einer Größe bis zu 10 GByte einzusetzen und bei größeren VMs SMB 3.0.

Die Live Migration über TCP/IP, wie bei Hyper-V Windows Server 2012 standardmäßig in Gebrauch, kann auch in 2012 R2 verwendet werden, bietet hier jedoch nicht mehr die Performancevorteile.

Cross-Version Live Migration: Es ist möglich eine VM von einem Windows Server 2012 auf einen Windows Server 2012 R2 live zu migrieren. Dies funktioniert jedoch nur, wenn der Zielserver das Release 2 enthält. Migrationen auf niedrigere Level sind nicht zulässig.

Bitte beachten: Snapshots heißen jetzt Checkpoints

Hyper-V Replica

Bisher war das Replikationsintervall auf 5 Minuten festgelegt und an genau einen Replikationspartner gebunden. Hier wurde Hyper-V flexibler. Replikationen können nun auf die Intervalle 30 Sekunden, 5 Minuten oder 15 Minuten eingestellt werden. Zudem erlaubt Hyper-V Replica in Windows Server 2012 R2 die Replikation auf einen weiteren Host. Dies ist auch für Unternehmen mit mehreren Standorten interessant. Für schnelle Verbindungen und maximale Aktualität empfiehlt sich ein Zeitraum von 30 Sekunden, für langsame WAN-Verbindungen sollte man eher ein Replikationsintervall von 15 Minuten wählen.

Linux Inside

Auch an der verbesserten Unterstützung von Linux-Gastsystemen wurde gearbeitet. Der sogenannte Linux Integration Service (LIS), welche die Performance von Linux-Gastsystemen verbessert, wurde weiter ausgebaut. Aktualisiert wurden:

  • Debian GNU/Linux 7.0
  • Red Hat Enterprise Linux 5.9 und 6.4
  • CentOS 5.9 und 6.4
  • SUSE Linux Enterprise Server 11 SP2 und SP3
  • Ubuntu Server 12.04, 12.10, 13.04
  • Oracle Linux 6.4

Mit den in Windows Server 2012 R2 neu enthaltenen Treibern kann nun die RAM-Zuweisung bei Linux-Gastsystemen dynamisch gestaltet werden. Hinzufügen und Entfernen von Speicher ist zur Laufzeit möglich. Ein 2D-Grafiktreiber kam hinzu, welcher die Performance verbessert und das Problem mit dem doppelten Mauszeiger behebt.

Der aktualisierte LIS ist als Download auf der Microsoft Seite erhältlich, soll aber zukünftig im Lieferumfang mit den wichtigsten Distributionen enthalten sein.

Backups können Live erstellt werden, ein Herunterfahren oder Schließen der Maschine ist nicht mehr notwendig.

Näheres zu Linux in Hyper-V finden Sie unter [3].

Export und Klonen

Normalerweise muss eine VM zum Klonen oder Exportieren heruntergefahrenwerden. Bei Windows Server 2012 R2 kann dies im laufenden Betrieb geschehen. Auch Snapshots einer Virtuellen Maschine können exportiert werden.

Zum Exportieren einer VM gehen Sie wie folgt vor:

  1. Wählen Sie im Hyper-V Manager die zu exportierende VM aus
  2. Rechtsklick auf die VM und Exportieren auswählen
  3. Wählen Sie den Speicherort
  4. Im Hyper-V Manager sehen Sie nun den Fortschritt des Exports

 export

[1] http://www.escde.net/windows-server-2012-r2-neues-zu-hyper-v-teil-1/

[2] http://technet.microsoft.com/en-us/library/dn303421.aspx

[3] http://blogs.technet.com/b/virtualization/archive/2013/07/24/enabling-linux-support-on-windows-server-2012-r2-hyper-v.aspx